Saubere Innovation made in Germany
Die finalen Schritte einer Idee zur erfolgreichen Serienreife

München – Es ist ein heißer, sonniger Tag im Sommer 2010. Die Luft ist stickig und trocken, sie flimmert über den schwarzen Asphaltstraßen. Die Designerin Seira Fischer fährt mit ihrem Auto durch eine Münchner Waschstraße. „Am liebsten wäre ich ausgestiegen und selbst durchgelaufen, um mich zu erfrischen“, erzählt sie. Ein Bedürfnis, aus dem sie binnen drei Jahren ein Geschäftsmodell entwickelte, das von Nachhaltigkeit und humanitärer Hilfeleistung geprägt ist.


x wash responsibility 01Heute führt Seira Fischer ihr eigenes Unternehmen namens x-wash, im Mittelpunkt
der Arbeit steht das Projekt x-wash responsibility – das Konzept für eine
automatische Dekontaminationsanlage für Menschen zum Einsatz in internationalen Krisengebieten, Notunterkünften und Industrieunternehmen, beispielsweise Chemiefabriken.

„Erstaufnahmeeinrichtungen für Geflüchtete in Europa, Hurrikan Matthew in den USA, Ebola-Epidemie in Westafrika, unmenschliche Zustände in Aleppo... Nahezu täglich sehen wir in den Nachrichten Ereignisse, bei denen x-wash helfen kann“, sagt sie. „Und: Es betrifft uns alle, überall.“

Das Design der Anlage entwickelte Seira Fischer bereits 2011 in ihrer Master-Arbeit zum Thema „Design und Verantwortung“ an der Hochschule Rosenheim. Als Studentin der Innenarchitektur richtete sie die Gestaltung der Anlage insbesondere auf zwei Fragestellungen aus: Wie kann das Design traumatisierten Menschen Sicherheit, Stabilität und Humanität geben? Und welchen Beitrag kann ein Designer leisten, um einen Neuwert zu schaffen? Ihre Antwort: ein etwa sechs Meter langer, modifizierter Luftfrachtcontainer fungiert als Rahmen der x-wash-Anlage. Im Inneren funktioniert alles automatisch: nass machen, einschäumen, dekontaminieren, trocknen – die zu reinigende Person bewegt sich über ein Fließband durch sechs Tore, die unterschiedliche Körperhaltungen vorgeben. „Anders als bei den bestehenden Dekontaminationseinrichtungen ist die Technik bei x-wash versteckt“, erklärt Fischer. „Deshalb hat die Gestaltung der Anlage eine angsthemmende Wirkung.“

Auch nach dem Studium lässt Seira Fischer das Projekt nicht mehr los. Denn schnell merkt sie, dass herkömmliche Dekontaminationsverfahren langsam, ungenau und im Umgang mit Wasser wenig effizient sind. Und sie erkennt die Chancen, die das automatisierte x-wash-Verfahren mit sich bringt. „Für x-wash benötigen wir nur 30 Liter pro Person, das entspricht einer Ersparnis von 75 Prozent gegenüber den 120 Litern, die ein Durchschnittsdeutscher beim Duschen verbraucht.“ Hinzu komme eine Waschdauer von nur 90 Sekunden – herkömmliche Verfahren könnten da nicht mithalten, zumal x-wash vier Personen parallel versorgen soll.

Darüber hinaus werde die Anlage über einen geschlossenen Wasserkreislauf verfügen, der Betrieb könnte so mit Wasser jeglicher Güte funktionieren. „Falls vor Ort kein Wasser vorhanden ist, wird es im Container mitgeliefert“, sagt Fischer. „Das verwendete Wasser wird aufgefangen, sickert also nicht ins Erdreich. Je nach Kontamination wird es dann aufbereitet und wieder verwendet oder aber entsorgt.“ Dadurch sei die Anlage völlig autark und vor allem auch transportabel. Ein wichtiger Gesichtspunkt, denn im Katastrophenfall zählt jede Minute. „x-wash responsibility passt in einen genormten Seefrachtcontainer. Wenn es schnell gehen muss, kann die Anlage in eine Transportmaschine der Bundeswehr oder des Technischen Hilfswerks geladen werden, und vom Ankunftsflughafen per LKW, Zug oder Helikopter zum Zielort weiter transportiert werden.“

Ein Prinzipienprototyp hat sich bereits als erfolgreich erwiesen, aktuell geht es um den Verkauf der internationalen Patente. Deshalb ist Seira Fischer zurzeit auf der Suche nach Unternehmen, die x-wash entwickeln und vertreiben wollen. So, hofft Seira Fischer, wird x-wash bald Millionen von Menschen das Leben retten können.